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Opel-Chef Neumann wirbt für Bund mit Peugeot

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17.02.2017 | 17:38
The logo of Opel is seen at the entrance of a dealership of the brand in Strasbourg

- von Edward Taylor und Jan Schwartz

"Hier eröffnet sich die Chance, einen europäischen Champion zu schaffen und nach 88 Jahren Zugehörigkeit zu GM ein neues erfolgreiches Kapitel unserer Geschichte aufzuschlagen", schrieb Neumann einem Sprecher zufolge am Freitag in einem Mitarbeiter-Brief. Auch der Betriebsrat begrüßte den möglichen Zusammenschluss, machte seine Zustimmung aber von der Sicherung der Arbeitsplätze abhängig. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte an, sich für den Erhalt der deutschen Opel-Standorte einzusetzen.

Unter Dach und Fach ist der von General Motors angestrebte Verkauf an Peugeot laut Neumann allerdings noch nicht: "Gewissheiten gibt es immer erst dann, wenn ein Vertragsabschluss erreicht ist. Ob und wann dies der Fall sein wird, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen." Als erstes hatte "Bild am Sonntag" aus dem Brief zitiert.

Zuvor hatte Neumann ein Zusammengehen mit dem französischen PSA-Konzern via Twitter noch als "prinzipiell sinnvoll" bezeichnet. Damit schlug der 55-Jährige zurückhaltendere Töne an als noch vor nicht allzulanger Zeit. Neumann, der zuvor das China-Geschäft von Volkswagen geleitet hatte, war 2013 bei Opel mit viel Engagement angetreten, um die Marke mit dem "Blitz" in die Gewinnzone zu führen. Währungsturbulenzen nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union machten ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Statt wie erhofft erstmals seit 1999 die Gewinnschwelle zu erreichen, schrieb Opel 2016 einen Verlust von 257 Millionen Dollar. Daraufhin leitete die amerikanische Konzernmutter GM die Trennung von der deutschen Tochter ein.

BETRIEBSRAT HEBT CHANCEN DER ALLIANZ MIT PSA HERVOR

Auch der europäische Betriebsrat hob die positive Seiten eines Bundes mit PSA hervor. Die Arbeitnehmervertretungen sähen auch Chancen in der Schaffung des zweitgrößten Automobilherstellers in Europa nach Volkswagen. "Wir werden die Gespräche mit PSA im Falle eines Verkaufs offen und konstruktiv führen und schnellstmöglich zu einem Ergebnis bringen", sagte Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Die Arbeitnehmervertreter pochen zugleich darauf, dass die von GM bei der letzten Opel-Sanierung bis weit über 2020 hinaus gemachten Beschäftigungs- und Investitionszusagen eingehalten werden.

"Wir erwarten, dass alle Tarifverträge im Falle eines Kaufs ihre Gültigkeit behalten, dass alle Standorte und Arbeitsplätze gesichert bleiben", betonte der Chef des für Opel zuständigen IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, an die Adresse der Franzosen. IG Metall, Betriebsräte und Belegschaften müssten "in einen transparenten und fairen Prozess" in die Gespräche einbezogen werden. Die Arbeitnehmer waren am Dienstag von der Nachricht kalt erwischt worden, dass GM sich durch einen Verkauf von Opel aus dem verlustreichen Europageschäft zurückziehen will.

Rückendeckung erhielten die Opelaner von Kanzlerin Merkel. Für sie hat die Sicherung der deutschen Opel-Standorte Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach durch Peugeot Vorrang. "Und wir werden alles, was wir politisch tun können, dafür tun, dass die Arbeitsplätze und die Standorte in Deutschland gesichert sind." Ansonsten müsse man die weiteren Gespräche zwischen den Beteiligten abwarten. Der französische Ministerpräsident Bernard Cazeneuve teilte mit, er habe über das Thema Peugeot/GM kurz mit der britischen Premierministerin Theresa May gesprochen. Details wurden zunächst nicht bekannt.

BEI OPEL LERNT MAN SCHON FRANZÖSISCH

Die Belegschaft stellt sich bereits auf ein Zusammengehen mit PSA ein: "Comment allez-vous?" (Wie geht es dir?) fragte ein Mitarbeiter am Rande einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim. "Die Stimmung ist erstaunlich gut, aber wir bekommen keine Informationen", sagte ein anderer Opelaner.

Zu der Gelassenheit trug womöglich auch ein Medienbericht bei, demzufolge Opel darauf hoffen kann, nach einem Verkauf vorerst eigenständig zu bleiben. Das habe GM-Chefin Mary Barra bei ihrem Besuch in Rüsselsheim am Mittwoch zugesagt, berichtete das "Manager-Magazin" unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Verhandlungskreise. Demzufolge soll Barra erklärt haben, Peugeot-Chef Carlos Tavares wolle zunächst auf Kontinuität setzen. Der amtierende Opel-Vorstand mit Neumann an der Spitze solle im Amt bleiben.

Es ist jedoch fraglich, welchen Stellenwert Zusagen von GM vor einem Verkauf von Opel an Peugeot haben, zumal der US-Konzern mit der Transaktion sein Europageschäft aufgeben will. Werksschließungen und Stellenabbau dürften danach Sache des neuen Eigners PSA Peugeot Citroen sein. Opel und Peugeot konkurrieren mit ihren Klein- und Mittelklassewagen um die gleiche Kundschaft. Deshalb wird erwartet, dass Peugeot nach einer Übergangszeit die Kapazitäten verringern wird, um die Kosten zu senken. Arbeitnehmervertreter und Politik in Ländern mit Opel-Standorten befürchten, dass vor allem dort Werke davon betroffen sein könnten.

Laut dem Bericht ist ein Verkauf der deutschen Tochter ausgesprochenes Ziel von GM. Für die Franzosen sei dagegen auch eine Vertiefung der bestehenden Kooperation der Marken vorstellbar. GM-Chefin Barra soll PSA unter anderem angeboten haben, die Elektroplattform des US-Konzerns gegen eine Lizenzgebühr in Europa zu nutzen, um PSA einen Kauf schmackhaft zu machen. Opel-Chef Neumann will die Marke dem Magazin zufolge bis 2030 in einen reinen Anbieter von Elektroautos umwandeln. Dieses Szenario sei auch für die PSA-Führung denkbar. GM bringt gerade mit dem Chevrolet Bolt und dem Opel Ampera e zwei Elektroautos auf den Markt, die eine Reichweite von 500 Kilometern haben sollen.

Unternehmen in diesem Artikel : Peugeot, Volkswagen AG, General Motors Company
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