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S&P 500 : Aktienrückkäufe: Einer der Wachstumsmotoren des S&P 500

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11.05.2017 | 11:00

Der amerikanische Leitindex S&P 500 bringt sich in Stellung, um neue Rekorde oberhalb der 2400-Punktmarke zu setzen. Nichts scheint in der Lage, diesen seit 2009 andauernden dynamischen Anstieg aufzuhalten. Gestärkt wird er durch gute Unternehmensergebnisse, und insbesondere durch die Ergebnisse von Alphabet und Facebook, die die Erwartungen weiterhin weit übertreffen. Hinzu kommt eine Strategie, die immer größere Ausmaße annimmt, und zwar die Aktienrückkäufe.

Man spricht von Aktienrückkäufen, wenn eine notierte Gesellschaft direkt ihre eigenen Aktien kauft, die auf dem Markt im Umlauf sind. Es handelt sich somit, genau wie eine Dividendenausschüttung, um ein Mittel, mit dem seinen Aktionären ein Cashflow zugewiesen werden kann. Diese Rückkäufe sind in der Regel gleichbedeutend mit einer guten Neuigkeit für die Anleger. Abgesehen von der strategischen Entscheidung, anhand derer die Geschäftsführer das Gleichgewicht der Aktienstruktur eines Konzerns ändern können, stellen sie eine positive Nachricht gegenüber den Aktionären dar, da sich ihr Reingewinn je Aktie automatisch erhöht.

Im konkreten Fall von Apple, welches diese Strategie mit dem größten Rückkaufvolumen durchführt, wurden vom Unternehmen zwischen 2012 und 2017 eigene Aktien im sagenhaften Wert von 150 Mrd. USD zurückgekauft. Apple wird sogar noch weiter gehen, denn es kündigte anlässlich der Vorstellung der Quartalsergebnisse eine Ausweitung des Aktienrückkaufplans von 175 auf 210 Milliarden Dollar bis 2019 an. Schätzungen zufolge prognostizieren die Analysten für das Jahr 2019 ein Nettoergebnis im Bereich von 52,5 Milliarden Dollar, was einem EPS von 10,9 USD entspricht. Die (konservative) Annahme, dass der durchschnittliche Rückkaufspreis bei 150 USD je Aktie liegen wird, spiegelt sich in einer Einziehung von knapp 1,5 Mrd. Aktien von den bereits 5,3 Mrd. Aktien wider, die sich im Umlauf befinden. Dementsprechend beläuft sich der EPS nach dem Rückkauf auf 13,4 USD und entspricht einem Anstieg von 23 % im Vergleich zur Ausgangsschätzung.


Quelle Bloomberg: Entwicklung S&P 500 vs. Buy Back Index

Ein großer Teil der Performance des S&P 500 begründet sich durch Aktienrückkäufe. Dies wird vom BuyBack-Index illustriert. Dieser wird so berechnet, dass die Performance der 100 Aktien des S&P 500 erfasst wird, die im Laufe der letzten zwölf Monate die höchsten Aktienrückkaufquoten aufweisen. Diese Werte haben den Index deutlich übertroffen und beschleunigen somit den Anstieg des S&P 500.

Andererseits sollte darauf hingewiesen werden, dass diese Aktienrückkaufe während der Krise von 2008 besonders wenig ausgeprägt waren. Dabei war dies der beste Zeitpunkt für Unternehmen, ihre eigenen Aktien zurückzukaufen, insbesondere wenn besonders unterbewertet waren. In der Realität haben sich die Aktienrückkäufe jedoch mit dem Anstieg der Unternehmensbewertungen ausgeweitet. In anderen Worten, dieses Paradoxon zeigt, dass diese Transaktionen nicht darin bestehen, opportunistisch anormal unterbewertete Aktienkurse zu nutzen, sondern vor allem um rein rechnerisch den Gewinn pro Aktie zu steigern. Dies spiegelt einen Sachverhalt wider, den viele Marktteilnehmer als beunruhigend empfinden. Anstatt in Forschung und Innovation zu investieren (die Gewinnbringer von morgen), ziehen es diese Gesellschaften vor, ihre Gewinne kurzfristig aufzublähen. 


Quelle Bloomberg: Entwicklung CAPEX Ausgaben

Damit wird leicht verständlich wie diese Übertreibung zu einer gefährlichen Situation führen kann. Es kommt zu einer Umverteilung von Ressourcen zum Nachteil von Investitionen, deren Wachstumsrate seit 2014 negativ ist (siehe obige Grafik).
 
Allerdings muss man zwischen zwei Fällen unterscheiden. Der erste Fall betrifft die Gesellschaften, die auf wahren Geldbergen hocken, wie beispielsweise Apple. Diese Unternehmen verwenden den operativen Cash-Flow (also reelle Gewinne) zur Finanzierung der Aktienrückkäufe. Der zweite Fall betrifft die Unternehmen, denen es an Dynamik fehlt und die sich zu niedrigen Zinssätzen verschulden, um ihre Aktien zurückzukaufen. Dies kann in einem Umfeld von schwächerem Wirtschaftswachstum und vor allem höheren Zinsen sehr gefährlich werden.   


Aktienrückkäufe können das Defizit an Investitionen nicht ewig ausgleichen. Lediglich rentable Investitionen in Innovation oder die Modernisierung der Produktion garantieren eine langfristige positive Entwicklung des Unternehmensgewinns. Aktienrückkäufe können den Gewinn pro Aktie nur solange steigern wie das Marktumfeld dafür zuträglich ist (niedrige Zinsen, globales Wirtschaftswachstum). Vor diesem Hintergrund kann hier das berühmte Zitat Warren Buffets bemüht werden: „Erst wenn sich das Meer zurückzieht, sieht man jene, die nackt baden.“
 
 
 




Jordan Dufee
© 4-traders.com 2017
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