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Studie : Große regionale Unterschiede bei frühkindlicher Bildung

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28.08.2017 | 15:44

GÜTERSLOH/MÜNCHEN (dpa-AFX) - In keinem Bundesland gibt es größere regionale Unterschiede in der Qualität der Kinderbetreuung in Kitas und Kindergärten als in Bayern. Dies geht aus dem Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung hervor, der am Montag in Gütersloh vorgestellt wurde. Generell attestiert die Studie dem Freistaat aber zumindest geringfügig eine flächendeckende Verbesserung der Betreuung. "Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland", sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Nach Ansicht der Autoren lässt sich die Betreuungsqualität vor allem an der Entwicklung des Personalschlüssels ablesen. Kamen im Freistaat 2012 noch 4,0 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Krippengruppen, waren es im März vergangenen Jahres 3,7. In den Kindergärten verbesserte sich der Personalschlüssel von 9,0 auf 8,7 Kinder pro Fachkraft. Trotz dieser leichten Verbesserungen sind die Schlüssel im Freistaat für beide Altersgruppen leicht schlechter als das westdeutsche Mittel (1 zu 3,6 und 1 zu 8,5).

Weiterhin hängt die Qualität vom Wohnort ab. So liegt etwa der Personalschlüssel im Landkreis Rosenheim im Krippenbereich bei 1 zu 2,7, im Landkreis Hof hingegen bei 1 zu 5,0. Dies ist unter allen Flächenländern die größte Spannweite zwischen den Kreisen.

In Kindergartengruppen unterscheiden sich die Personalschlüssel ebenfalls zwischen den Kreisen, jedoch ist diese Spannweite weniger groß. Während in Memmingen 7,7 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es im Landkreis Kulmbach bis zu 10,5 Kinder.

Nach Ansicht von Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) arbeitet die Stiftung nicht seriös. "Das reine Aufzählen von Personalschlüsseln und die stets negative Bewertung dieser Zahlen wird der komplexen, verantwortungsvollen Aufgabe der Kinderbetreuung und dem Engagement der Betreuerinnen und Betreuer nicht gerecht", sagte sie der dpa in München. Die Studie tauge nicht für eine fachliche Beurteilung der frühkindlichen Bildung.

Bundesweit Spitze beim Personal sowohl im Krippen- (1 zu 3,0) als auch im Kindergartenbereich (1 zu 7,2) ist der Studie zufolge Baden-Württemberg. Schlusslicht bei den jüngeren Kindern ist Sachsen (1 zu 6,5) und bei den Älteren Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 13,7).

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt einen qualitätssichernden Personalschlüssel von 1 zu 3,0 in Krippengruppen und 1 zu 7,5 in Kindergartengruppen. Trotz der Verbesserungen in den vergangenen vier Jahren hat Bayern den Autoren der Studie zufolge somit ähnlich wie die meisten anderen Bundesländer noch keinen pädagogisch angemessenen Wert erreicht. 23 von 96 Kreisen in Bayern entsprechen im Krippenbereich der Empfehlung oder sind dieser zumindest sehr nah.

Für den Kindergartenbereich treffe die Empfehlung nur auf vier Kreise zu. "Es ist zu klären, ob diese Unterschiede Ergebnis einer gezielten Steuerung durch Landesregelungen zur Personalausstattung sind oder sich hier unbeabsichtigte Steuerungseffekte zeigen. Bund und Länder müssen einheitliche Qualitätsstandards umsetzen", sagte Dräger.

Nach Berechnungen der Stiftung müssten in Bayern für einen kindgerechten Personalschlüssel zusätzlich 8400 Vollzeitkräfte rekrutiert und weitere 389 Millionen Euro jährlich bereitgestellt werden. Notwendig sei aber nicht nur eine ausreichende Anzahl an Fachkräften, sondern auch "gut" qualifiziertes Personal.

In Bayern verfügt nur knapp die Hälfte (49 Prozent) der rund 79 300 pädagogisch Tätigen in Kitas über einen einschlägigen Fachschulabschluss, etwa zur Erzieherin. Dies ist unter allen Bundesländern der geringste Anteil. Den formal niedrigeren Berufsfachschulabschluss haben in Bayern 37 Prozent der Fachkräfte.

SPD und Freie Wähler forderten die Staatsregierung auf, die Betreuung zu verbessern. "Es darf nicht vom Zufall meines Wohnortes abhängen, ob ich gute Betreuung für meine Kinder habe", sagte SPD-Landeschefin Natascha Kohnen. Dazu braucht es einen Systemwechsel und den Willen, mehr Stellen für Erzieher zu schaffen. Letztlich brauche es ein gebührenfreies Bildungsangebot von der Krippe bis zur Universität./had/DP/edh


© dpa-AFX 2017
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